3. Oktober 2009

Kriegerische Parnerschaften

Ein Kommentar von Annette Floyd-Wenke

 

Seltsame Freundschaften sind dies, von denen gestern in der WN berichtet wurde. Ein Artikel verkündet den Großen Zapfenstreich, mit dem am Freitag, den 09.10.09 in Haltern am See die 25-jährige Partnerschaft des Kreises Recklinghausen mit dem 15. Transporthubschrauberregiment aus Rheine zelebriert werden soll.

 

Hier stellt sich einmal mehr die Frage nach dem Sinn dieses Rituals, wenn mit Gefechtshelm sowohl ein Gebet, wie auch musikalisch die letzte Strophe von Gerhard Tersteegens „Ich bete an die Macht der Liebe“ vorgetragen wird. Ich überlasse diese Zeilen nun eurer Schlussfolgerung:

 

O Jesu, dass dein Name bliebe

im Grunde tief gedrücket ein!

Möchte deine süße Jesusliebe

in Herz und Sinn gepräget sein!

Im Wort, in Werk und allem Wesen

Sei Jesus und sonst nichts zu lesen!

 

 

Weiter berichtet die WN im Lokalteil von Rheine von einer Nato-Übung in Meppen. Dort behauptet der offenbar begeisterte Berichterstatter, dass der Flug des Kampfhubschraubers Agusta A 129 besonders wegen seiner dreiläufigen Bordkanone das Interesse der Beobachter weckt, wenn diese Kriegsgeräte am Bentlager Himmel kreisen.

 

Der Fokus des Berichts soll den geneigten Lesern wohl die technischen Vorzüge der drei Hubschrauber näher bringen und so kann auch gänzlich unkritisch deren Effektivität bei den Kampfeinsätzen in Afghanistan lobend erwähnt werden.

Dass der mit Luft-Luft-Lenkwaffen ausgerüstete Hubschrauber Agusta A 129, der Chinook CH47 (der 1962 erstmals in Vietnam zum Einsatz kam), für den Transport von Truppen, Fracht und Waffen zum Schlachtfeld bei Tag und mit Nachtsichtgeräten für Luftangriffe konzipiert ist, wie auch der Agusta-Bell AB 412, der nicht nur für „search & rescue-Oprerationen“ mit Bodenaufklärungsradar eingesetzt wird, zwar am Bentlager Himmel selten sein mögen, den Menschen in Afghanistan jedoch täglich über die Köpfe brausen und alles andere als Faszination auslösen, dass muss dem Reporter entgangen sein.

 

Der Standort Rheine wird um weitere Truppen und Hubschrauber für den ISAF Einsatz in Afghanistan aufgestockt. Es werden weitere Millionen in den Ausbau des Standorts gesteckt. Die Zusammenarbeit mit den anderen Nato-Kräften wird auch mit diesen Übungen vorangetrieben. Und die deutsche schnelle Eingreiftruppe wird ebenfalls verstärkt. Wir wissen, dass auch im Süden Afghanistans längst deutsche Soldaten im Einsatz sind.

In den sechs Jahren, 6 Jahre Krieg!, waren bisher mehr als 30.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten dort im Einsatz.

 

Wie können Militäroffensiven einen Wiederaufbau leisten, für mehr Sicherheit sorgen und eine Demokratie errichten? Was bewirken Tornadoeinsätze gegen Drogenkartelle? Gewalt erzeugt nur immer neue Gewalt.

 

Es wird Zeit, dass diese Art der kriegsbefürwortenden Berichterstattung auf massiven Widerstand aus der Bevölkerung trifft!

Macht endlich Schluß mit Krieg und Kriegsspektakel muss die Devise lauten.

Deshalb fordere ich euch auf, mit Leserbriefen, Kommentaren und Aufrufen die mehrheitliche Meinung in unserem Land, nämlich der Forderung nach sofortiger Beendigung des Krieges, immer wieder Ausdruck zu verleihen!

 

Mit der Lügerei muss endlich Schluss sein! Der Wiederaufbau Afghanistans kann und darf nur politisch und mit zivilen Mitteln erreicht werden. Deshalb fordern wir den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und den Stopp aller Anti-Terror Kriegseinsätze! Wir fordern die finanzielle Unterstützung für Friedensorganisationen, die tatsächlich eine Entwicklungsstrategie für Afghanistan bieten können.